Fernunterricht im Lockdown: Interview mit einer Schülerin

Meine heutige Interviewpartnerin besucht das Gymnasium in Zürich und hatte von Ende Januar 2021 bis im März Fernunterricht.
Sie erzählt, wie sie das Lernen von zuhause aus wahrnimmt und erzählt von den
Lücken und Hürden einer jungen Schülerin während der Coronapandemie. Zur Frage, was sie sich von der Schule wünscht, antwortet sie folgend:

Die Lehrer und die Schülerschaft sitzen im gleichen Boot. Mehr Akzeptanz und mehr Toleranz wünsche ich mir, damit wir es uns nicht noch schwieriger

machen, als alles schon ist.

Offengesagt.com: Wie sieht dein Tagesablauf aus, wenn du Fernunterricht hast?

Anonyme Interviewpartnerin: Ich schlafe meistens länger, als wenn wir Präsenzunterricht haben, und wache meistens eine halbe
Stunde vor der ersten Lektion auf, da ich nicht mehr zur Schule fahren muss. Während der ersten
Lektion esse ich etwas Kleines zum Frühstück. Dann habe ich 4 bis 5 Lektionen am Stück mit kleinen
Pausen Schule, in den Lektionen versuche ich so gut es geht zu zuhören. Auch der Mittag ist flexibler,
da ich schon zuhause bin, und nach dem Essen fünf Minuten vor Beginn der Lektion in mein Zimmer
kann. Am Nachmittag habe ich zwei bis drei Lektionen und habe danach mehr Zeit für meine Freizeit
als sonst, da der Nach-Hause-Weg wegfällt. Nach der Schule gehe ich spazieren, besuche meine
Grossmutter und lese am Abend noch Bücher. Ich gehe tendenziell auch später ins Bett, da ich am
Morgen auch später aufwachen kann. Sonst sieht mein Tag nicht viel anders aus, als wenn wir
Präsenzunterricht haben. Man ist flexibler, was den eigenen Tagesablauf angeht.

Was fällt dir am schwersten?

Was fällt dir am schwersten?
Ich kann von zuhause aus selbst lernen, aber mir fällt es dennoch schwer, wenn wir nicht in der
Schule sind und uns die Lehrpersonen persönlich ins Thema mit Grundlagen und Vorlagen einleiten.
Bei Selbstlerneinheiten fallen die Grundlagen mir schwer, aber repetieren kann ich selbst. Vor der
Coronapandemie habe ich auch die Zeit zuhause für das Repetieren verwendet, doch da ich nun von
Anfang an auf mich allein gestellt bin, habe ich manchmal Probleme. Ich habe auch Mühe, im
Fernunterricht zu zuhören und die Aufträge in den Unterrichtszeiten zu erledigen. Die Lehrpersonen
passen den Lehrplan nicht an den Fernunterricht an und unterrichten immer noch so, als seien wir
präsent in der Schule. Ich habe beispielsweise nicht zwei Laptops, und verbinde mich von meinem
Tablet aus mit der Teams-Konferenz, kann aber nicht dabei die Unterlagen online gleichzeitig
anschauen oder mir Notizen machen. Deswegen muss ich nach den Lektionen immer noch alles
nachtragen, was mühsam ist. Das ganze Übertragen und Bildschirmwechseln führen dazu, dass ich
abschweife und weniger konzentriert arbeite. Es könnte an meiner Selbstdisziplin liegen, es gibt
sicher Schülerinnen und Schüler, die das besser beherrschen, aber von den Lehrpersonen erhalten
wir zu wenig Anpassungen, um auch von zuhause aus effizient zu lernen.

Die Lehrpersonen passen den Lehrplan nicht an den Fernunterricht an und unterrichten immer noch so, als seien wir präsent in der Schule

Eine Schülerin während dem fernunterricht

Was findest du zu von zuhause aus am besten?

Zuhause gefällt mir am besten, dass es am Corona-sichersten ist. Es ist definitiv sicherer als an
unserem Gymnasium. Man ist flexibler, weniger von den anderen abhängig, und kann auch im
Unterricht mal kurz auf die Toilette oder während dem Unterricht etwas Kleines essen, man hat viel
mehr Freiraum. Ich gehe gerne nach draussen, aber es ist auch entspannter, keinen Schulweg zu
haben. Es ist etwas völlig anderes.

Gefällt dir der Fernunterricht oder möchtest du lieber wieder Präsenzunterricht haben?

Den Präsenzunterricht und einen normaler Schulalltag zu haben vermisse ich. Freunde und
Freundinnen zu sehen und einen Rhythmus zu haben, ermöglicht eine gute Tagesstruktur. Auch
Gruppenarbeiten funktionieren im Präsenzunterricht viel besser. Aufgrund der Coronapandemie
denke ich trotzdem, dass der Fernunterricht schlauer ist. Ich würde den Fernunterricht nicht wollen,
wenn wir nicht in einer Pandemie wären, aber in unserer Klasse sind die Vorsichtsmassnahmen
gescheitert, die Hälfte hat sich aufs Mal mit dem Virus infiziert. Ich habe Präsenzunterricht lieber,
aber mit Corona ist Fernunterricht sicherer. Es ist eine sinnvollere Alternative, die noch ausgearbeitet
werden kann und nicht perfekt ist, jedoch vor allem mit der vorhandenen Technik in unserer
Altersstufe (Gymnasium) machbar ist.


An unserer Schule ist sowieso alles digital, wir bringen unsere eigenen Laptops und Tablets auch in
den Unterricht mit. Vom psychischen her habe ich Präsenzunterricht lieber, aber ich denke wir
wissen alle, dass Fernunterricht in dieser Zeit die beste und sicherste Lösung ist. Ich und viele meiner
Mitschülerinnen und Mitschüler haben auch Petitionen unterschrieben, die Fernunterricht für die
Sekundarstufe 2 verlangt haben, und das schon anfangs Dezember, wo die Zahlen sehr hoch waren.
Auch wenn ich Mühe habe, komme ich mit dem Fernunterricht zurecht.

Der Fernunterricht ist eine sinnvollere Alternative, die noch ausgearbeitet werden kann und nicht perfekt ist, jedoch vor allem mit der vorhandenen Technik in unserer Altersstufe im Gymnasium machbar ist.

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