Fernunterricht im Lockdown: Interview mit einer Schülerin

Würdest du die Lockdown-Stop-Petition unterschreiben, wenn du damit wieder vollständig
Präsenzunterricht hättest?

Ich habe mich nicht sehr informiert über diese Petition, aber ich denke es ist noch zu früh für
Lockerungen. Wir haben noch immer die Mutationen, viele Infizierungen, und die Impfungen
verlaufen sehr langsam, weder alle in der Risikogruppe sind geimpft noch andere Erwachsene, die
gerne geimpft werden möchten. Es ist zu riskant, von einer gesamten Aufhebung der Massnahmen
zu reden, denn die Infektionen würden wieder steigen und die Spitäler wären schlussendlich wieder
sehr belastet. Wenn alles wieder eskaliert, müssen wir sowieso wieder in den Fernunterricht und in
den Lockdown. Ich denke, es ist eine Frage der Zeit. Wenn wir jetzt durchhalten, impfen, warten und
nicht zu früh wieder alles lockern, ist hoffentlich alles bald vorbei, wir sind schon so lange in dieser
Coronapandemie, wenn wir jetzt durchheben, können wir es schaffen. Wir alle möchten wieder ein
normales Leben leben, wir alle hoffen, dass es bald vorbei ist, es ist aber eine Sache der
Eigenverantwortung von uns allen.

Es ist wichtig, die Sicherheit von allen zu gewährleisten, und die Stop-Lockdown-Petition wäre nur kontraproduktiv.

anonyme interviewpartnerin


Wir müssen lernen, damit zu leben, um das Virus so gut zu bekämpfen, dass die Behandlungen
funktionieren und Spitäler nicht am Anschlag sind, dann können wir auch wieder schrittweise
langsam locker. Ich bin keine Fachperson, doch wenn wir jetzt lockern, fängt alles von Anfang an.
Deswegen würde ich die Petition nicht unterschreiben. Irgendwann werden wir wieder
Präsenzunterricht haben, doch es ist wichtig, die Sicherheit von allen zu gewährleisten, und die Petition wäre nur kontraproduktiv. Man sollte auch Respekt haben, vor all den Erkrankten, denen in
der Risikogruppe, und wenn man schon nicht sich selbst schützen will, sollte man versuchen
mindestens die Nächsten zu beschützen, deswegen werde ich diese Petition nicht unterschreiben.

Die Stop-Lockdown-Petition verlangt die Aufhebung des Lockdown und wurde von der Politik-Newsplattform „Schwiiz Brandaktuell“ und der Schweizerischen Volkspartei (SVP) lanciert.

Denkst du die Schule hat die Pandemiezeit gut gemeistert?

Ich denke die Schulleitungen sind auf sehr vielen Ebenen gescheitert. An unserer Schule haben die
Sitzordnungen und Schutzkonzepte nicht funktioniert, Masken wurden nicht richtig getragen und
viele haben sich nicht an die Regeln gehalten. Auch wegen den Absenzen wurde vieles nicht geregelt.
Es kann nicht sein, dass es keine Lösung für Schülerinnen und Schüler gibt, die mehrmals in die
Quarantäne müssen, sei es wegen der eigenen Familie oder wegen Klassenkameraden, und dann
teilweise wochenlang den Unterricht verpassen.
Wenn man keine Bestätigung des Contact Tracings
hat, erhält man Absenzen, und die SMS vom Contact Tracing kommt manchmal sehr verspätet. Wenn
man bei nahem Kontakt mit einer erkrankten Person auf die Benachrichtigung wartet und immer
noch zur Schule geht, ist das Risiko andere anzustecken gross, doch wenn man aus eigener
Entscheidung zuhause bleibt, wird man mit Absenzen bestraft. Auch bei den Prüfungen erschwert die
Schule der Schülerschaft den Lernerfolg. Schülerinnen und Schüler, welche Prüfungen aufgrund der
angeordneten Quarantäne verpassen, werden mit Semesterprüfungen bestraft. Diese sind
anspruchsvoller als die normalen Prüfungen, und das beeinflusst den Prüfungserfolg sehr und sind
unnötige zusätzliche Belastungen. Nachprüfungen nach den Quarantänen sind einfache Lösungen,
die den Umgang mit der Pandemie für Schülerinnen und Schülern erleichtern würden.

Was war das grösste Problem?

Ein grosses Problem war und ist, dass die Kommunikation mit der Schülerschaft komplett fehlt. Die
Schulleitung hat die ganzen Massnahmen nicht immer in Griff und informiert deswegen unseriös,
weswegen viel Ungewissheit entsteht.

Von und wurde in der Schule die genau gleiche Leistung erwartet wie vor der Pandemie, obwohl wir von vielen neuen Hindernissen betroffen waren.


Von uns wurde in der Schule die genau gleiche Leistung erwartet wie vor der Pandemie, obwohl wir von vielen neuen Hindernissen betroffen waren. Lehrpersonen haben gefehlt, unsere Klasse musste in
die Quarantäne, viele Mitschüler hatten Symptome, mussten sich testen lassen und viele haben
immer wieder Unterrichtsstoff verpasst. Es wurde jedoch mit dem genau gleichen Punktesystem
benotet wie vor der Pandemie. Statt Unterstützung haben wir rote Sticker auf unserem Pult
bekommen, um auf den Abstand zu achten.

Leute, die sich nicht an die Regeln halten, sich weigern die Maske anzuziehen oder sich nicht in die
Quarantäne begeben, sollten nicht toleriert werden. Es sollte nicht die Aufgabe von den
Klassenkameraden sein, die Gesundheit aller gefährdenden Personen zur Rechenschafft zu ziehen,
das ist eine weitere grosse Belastung und die Schulleitung sollte eine Lösung dagegen finden.

Was wünscht du dir von den Schulen und Lehrpersonen?

Die Lehrer und die Schülerschaft sitzen im gleichen Boot. Viele unserer Lehrpersonen mussten sich
mehrmals testen lassen, waren am Coronavirus erkrankt und mussten auch mit dem Risiko in die
Schule kommen, infiziert zu werden. Auch Lehrpersonen wurden nicht genug gut geschützt und
hätten sich sicherlich Fernunterricht oder bessere Lösungen von der Schulleitung und Behörden
gewünscht.
Ich wünsche mir von Lehrpersonen, den Unterricht unserer Situation anzupassen, und nicht nur
Vorträge zu halten und stattdessen mehr Aufträge zu geben, die wir flexibel lösen und abgeben
können. Das ist effektiver, als nur vor der Kamera zu reden. Auch Kahoot zu nutzen und kleine andere
Sachen wie Videos einzubauen, könnte helfen, den Unterricht besser zu gestalten. Ich wünsche mir auch, dass situationsabhängig gehandelt wird. Viele haben während der Pandemie
Fragezeichen im Kopf und man sollte während dieser schwierigen Zeit auf sich gegenseitig zählen
können.

Mehr Akzeptanz und mehr Toleranz wünsche ich mir, damit wir es uns nicht noch schwieriger
machen, als alles schon ist.

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