Der Völkermord an den Jesiden und die UN-Völkermordskonvention

Die UN-Völkermordkonvention, welche am 9. Dezember 1948 unterschrieben wurde, wurde von der Generalversammlung der Vereinigten Nationen beschlossen. Der Artikel II definierte erstmals den Völkermord als Völkerrechtsvertrag. Der polnische Jurist Raphael Lemkin formulierte den Text der Konvention und wurde von dem Völkermord an Armenier (1915) und dem Holocaust (1941-1945) geprägt. Lemkin gehörte dem Judentum an und verlor seine gesamte Familie im Holocaust. Mit 59 Jahren starb Lemkin völlig verarmt an einem Herzinfarkt in einem Einzimmer-Apartment in New York. Die von ihn verfasste Konvention wird heute noch unverändert verwendet.

Raphael Lemkin

Der erste Artikel definiert den Genozid als Völkerrechtsverbrechen, weswegen die Vertragsparteien sich zu deren Bestrafung verpflichten. Mit dem Inhalt des zweiten Artikels kann auch deutlich erkannt werde, wieso der Angriff des IS an das jesidische Volk im Jahr 2014 als Genozid von den Vereinten Nationen anerkannt wird und dies auch von anderen Organisationen und Staaten sollte.

Die ersten zwei Artikel der Konvention

Überblick der ersten zwei Artikel

Wieso der Völkermord an Jesiden ein Völkermord ist.

Auch wenn schon nur eine der im zweiten Artikel der Völkermordskonvention genannten Handlungen genügt, um von einem Genozid zu sprechen, sind alle fünf Definitionspunkte am Völkermord an das jesidische Volk im Jahr 2014 wiederzuerkennen.

A. Tötung von Mitgliedern der Gruppe;

Bis zu 5000 Jesiden wurden ermordet.

B. Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe;

Schwerste sexuelle Gewalt an jesidische Frauen und Versklavung. 7000 Entführte Personen.

C. Vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen;

Etwa 50.000 Jesiden waren auf das Sindschar Gebirge geflüchtet, wo sie vom Islamischem Staat eingekesselt und belagert wurde. Jesidische Männer, Frauen und Kinder waren bei Temperaturen über 50 Grad ohne Zugang zu Wasser, Nahrung oder medizinischer Versorgung eingekesselt. Hunderte der eingekesselten Personen starben, bevor die kurdische Milizarmee YPG 30’000 Jesiden retten konnten.

D. Verhängung von Massnahmen, die auf die Geburtenverhinderung innerhalb der Gruppe gerichtet sind;

Jesidische Frauen und Männer wurden systematisch getrennt, womit die Geburtenverhinderung bezwungen wurde. Nach der religiösen Tradition der Jesiden müssen beide Elternteile Jesiden sein, damit das Kind dem jesidischen Glauben angehören kann. Es ist nicht möglich, zum Jesidentum zu konvertieren. Somit wurde durch die Trennung von Männern von Frauen bezwungen, dass vorallem Kinder der vergewaltigten Frauen nicht mehr nach jesidischer Religion als Jesiden galten.  

E. gewaltsame Überführung von Kindern der Gruppe in eine andere Gruppe;

Mädchen über neun Jahren wurden versklavt. Jesidische Jungen über 12 Jahren wurden zu einer Konvertierung gezwungen. Diejenigen, die sich weigerten, wurden ermordet. Zwangskonvertierte Jungen wurden gezwungen, für die IS-Terroristen zu arbeiten. Wenn jesidische Jungen das Alter von sieben Jahren erreichten, wurden sie ihren Müttern entzogen. In sogenannten «Trainingslagern» wurden sie durch Gewalt nach den terroristischen Prinzipien des IS aufgezogen.

Quellen

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