Malala- Wie sie mit ihrem Stift die Welt verändert hat

Als ich zum ersten Mal von Malala hörte, war es noch unklar, ob das junge Mädchen das Attentat der Taliban tatsächlich überleben würde. Als 11-jähriges Mädchen verfolgte auch ich in den Medien Malalas Kampf, konnte jedoch Begriffe wie Terrorismus und Mädchenrechte noch nicht so richtig mit der jungen Person, die ich in den Nachrichten sah, verbinden. Als Malala später über Bildung sprach, kamen mir nur meine Mensch und Umwelt Hausaufgaben in den Sinn. Dennoch war ich dank Malala dankbarer, zur Schule gehen und mit meinen Klassenkameraden Zeit verbringen zu können. Ich respektierte Malala und bewunderte ihre Stärke, doch die wahre Stärke dieser einzigartigen jungen Frau, die kürzlich ihren Uni-Abschluss gemacht hat, sollte ich erst dann richtig verstehen, als ich ebenfalls zu einer Jugendlichen herangewachsen war. Spätestens dann, als ich vor wenigen Jahren Malalas Autobiografie Ich bin Malala: Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft gelesen hatte, erkannte ich, dass ich zur selben Zeit wie eine wahre Heldin und Kämpferin lebte.

Malalas Geschichte

Malala Yousafzai ist eine wahre Revolutionärin, die schon nur mit ihrer Geburt Normen der Gesellschaft auf die Probe stellte. Als erste weibliche Person, die jemals in den Familienbaumstamm ihrer Familie eingeschrieben wurde, bewirkte Malala schon nur mit ihrer Existenz Grosses in ihrem Umfeld.

1997 wurde Malala Yousafzai in Mingora im Swat-Disktrikt in Pakistan geboren. Ihr Vater Ziauddin Yousafzai ist Lehrer, Bildungsaktivist und Gründer der «Khushal Public School». Unter bescheidenen Umständen wuchs sie mit der Unterstützung ihres Vaters und ihrer Mutter Tor Pekai auf. Von jung an war Malala von der Schule begeistert. Als erfolgreiche Schülerin und Gewinnerin verschiedener Debattierwettbewerbe bewies Malala noch bevor sie berühmt wurde, dass ihre Stimme wirksam war und lediglich ihr gehörte.

Emotionale Rückkehr in die Heimat: Malala trifft nach Jahren ihre Familie  in Pakistan
Die Familie Yousafzai

Die pakistanische Taliban

Die radikale islamistische Terrororganisation namens Taliban wurde in den 1990er Jahren gegründet. Im Nachbarsland Afghanistan schafft es die Taliban zweimal, zum ersten Mal 1994 und kürzlich letztes Jahr 2021, die afghanische Hauptstadt Kabul zu übernehmen und somit die Regierung zu stürzen.

Mehr zur Geschichte der Taliban findest du hier:

Im Dezember 2007 schaffte es die pakistanische Taliban, immer mehr an Macht zu gewinnen. Schulen, allein im Swat-Distrikt mehr als 400, wurden bombardiert, die Burka der weiblichen Hälfte der Bevölkerung in eroberte Dörfern aufgezwungen, und der Schulbesuch für Mädchen verboten. Im Swat Distrikt, Malalas Heimat, kam die pakistanische Taliban nach mehreren bewaffneten Auseinandersetzungen an die Macht. Fernseher und Musik wurden verboten, oppositionelle Aktivisten ermordet, und Frauen durften ohne der Begleitung von männlichen Familienmitgliedern ihr Haus nicht mehr verlassen.

Malalas Vater versucht zu dieser Zeit trotz allen Hürden, den Schulbesuch für die Schülerinnen seiner Schule zu ermöglichen. Im Mai 2009 verschlimmert sich die Lage immer mehr, weswegen Malala mit ihrer Familie das Swat-Tal vorläufig verlassen musste.

Die Aktivistin

Malala startet mit dem Einmarsch der Taliban in ihre Heimat ihre eigene Kampagne. Sie wollte Bildung für alle Mädchen ermöglichen und setzte sich trotz der grossen Gefahr überall in Pakistan mit ihren Reden für ihre eigenen Rechte sowie die von ihren Altersgenossen ein. 2008 schrieb sie anonym unter dem Namen «Gul Makai» einen Blog für die britische BBC. In ihren Artikeln berichtete die Aktivistin darüber, wie die Schreckensherrschaft der Taliban ihren Alltag beeinflusste.

2009 wurde Malala noch als 11Jähriges Mädchen von der New York Times für eine Videoaufnahme begleitet. Die Dokumentation handelte von Malalas Kampf und zeigt, wie sich Malala für Bildung für alle einsetzt. Mit dieser Dokumentation wurde Malala über Nacht international berühmt, die Welt hörte ihr endlich zu. Es sind jedoch nicht nur Journalisten und Politiker, die sich für das junge Mädchen zum Zeitpunkt der Dokumetation interessieren: Malala steht nun im direkten Visier der Taliban.

One child, one teacher, one book and one pen can change the world.

Malala Yousafzai bei ihrer Rede vor den Vereinten Nationen, 2013

Die Bedrohungen der Taliban-Terroristen konnten Malala nicht stoppen. Sie setzte sich mit verschiedenen Organisationen für ihre Anliege ein und wurde 2011 als erstes pakistanisches Mädchen von Desmond Tutu, ein 2021 verstorbener südamerikanischer Menschenrechtsaktivist und ehemaliger Erzbischof von Kapstadt, für den internationalen Kinder-Friedenspreis nominiert. Im selben Jahr wurde ihr auch der erste National Youth Peace Prize von Pakistan verliehen. Darauffolgend wurde eine Mittelschule nach ihr benannt. Bis zum Attentat des Taliban 2012 hatte sich Malala zu einer wichtigen Persönlichkeiten ihres Landes entwickelt, und das mit nur 15 Jahren.

Attentat des Taliban

Je bekannter und einflussreicher Malala wurde, umso ernster wurde die Gefahr eines Attentats. Todesdrohungen an Malala landeten nicht nur in lokalen Zeitung oder auf Facebook, sondern die Zeitungsartikel auch schriftlich vor ihrer Haustür. Es ist bekannt, dass im Sommer 2012 die Terroristen in der Führungsposition des Taliban einstimmig darüber abstimmten, Malala zu ermorden.

Am 9. Oktober 2012 wurde Malala von einem Taliban-Schütze auf ihrem Weg nach Hause im Schulbus erschossen. Malala berichtete, dass sie an diesem Tag eine Prüfung gehabt hatte und ihr jüngerer Atal ausnahmsweise nach Hause laufen statt mit Malala fahren musste. Dank diesem Zufall musste ihr junger Bruder nicht mit ansehen, wie Malala erschossen wurde.

Malala war zum Zeitpunkt des Angriffs 15 Jahre alt. Die Kugel traf die linke Kopf-Seite. Die Kugel beschädigte erstaunlicherweise nicht ihr Gehirn, sondern landete seitlich über ihrem linken Auge und gelang durch ihren Hals in ihre Schulter.

15-jährige Malala kämpft sich zurück ins Leben - Berliner Morgenpost
Malala kurz nach dem Attentat

Mit einem Flugzeug wurde Malala in ein Militärkrankenhaus gebracht. Da ihr Gehirn angeschwollen war, musste ein Teil ihres Schädelknochens entfernt werden, um mehr Platz für die Schwellung zu erschaffen. Diese wurde in ihren Bauch implantiert, um angehend eine Reimplantation zu ermöglich. Die Reimplantation fand später jedoch nicht statt, weswegen in Malalas Schädel eine Titanplatte eingesetzt wurde.

Am 15. Oktober flog Malala mit ihrer Familie nach Birmingham in England, um im Queen Elizabeth Hospital behandelt zu werden.

Das junge Schulmädchen musste mehrmals operiert werden. Nebst der Entfernung der Kugel aus ihrer Schulter und der Schädelknochen-Operation musste Malalas Gesichtsnerv operiert werden, da ihre linke Gesichtshälfte gelähmt war.  Mit einem Cochlea-Implantat wurde auch ihr Gehör wiederhergestellt. Heute befindet sich Malala in einem gesunden und stabilen Zustand.

Malalas Rede vor den Vereinten Nationen am 12. Juli 2013

Malalas Leben in Birmingham

Malala lebt mit ihrer Familie seit dem Attentat in Birmingham. Die Aktivistin erhielt 2014 mit nur 17 Jahren den Friedensnobelpreis und ist bis heute die jüngste Preisträgerin der Geschichte des Friedensnobelpreises. 2020 hat sie ihr Studium in Philosophie, Wirtschaft und Politik an der Oxford Universität abgeschlossen. Die heute 24-jährige Aktivistin setzt sich mit der von ihr gegründeten Organisation Malala Fund für das Recht auf Bildung von allen Mädchen weltweit ein. Als im Juli 2021 die Taliban in Afghanistan wieder an die Macht kam, schrieb Malala in der New York Times ein Essay und schilderte, welche Sorgen sie sich um die Mädchen und um das Schicksal der afghanischen Frauen machte.

Malalas unermüdlicher Einsatz und ihre Kraft, trotz aller Bemühungen des Taliban weder ihre Hoffnung noch ihre Lernbegeisterung zu verlieren, ist nicht nur zutiefst inspirierend, sondern auch beruhigend. Ich bin beruhigt, ich bin hoffnungsvoll, denn ich weiss, dass Menschen wie Malala diese Welt zu verändern versuchen. Ich habe dank Malala Hoffnung, dass tatsächlich ein Kind, eine Lehrperson, ein Buch und ein Stift die Welt verändern können. Malala war auch nur ein Schulkind mit einem Stift, und hat durch ihr Engagement zuerst ihre eigene Welt, und danach die von zahlreichen weiteren jungen Mädchen verändert.

Malala Yousafzai graduates from Oxford | Online Version
Malala bei ihrem Abschluss

Quellen

https://malala.org/

https://www.nobelprize.org/prizes/peace/2014/yousafzai/biographical/

https://www.reuters.com/article/us-pakistan-malala/nobel-winner-malala-in-tears-on-emotional-return-to-pakistan-idUSKBN1H503U

https://www.dw.com/de/malala/t-18119220

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